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Information zur aktuellen Situation in Afrika rund um COVID-19, 17. Mai 2020

Die Lage in Kenia nimmt dramatische Ausmaße an. Sprachen wir vor wenigen Wochen noch davon, dass auch in Kenia die Pandemie-Kurve abgeflacht werden soll und muss, hat sich inzwischen die Situation deutlich verschlimmert. Corona ist nur ein Problem. Derzeit droht eine akute Hungersnot. Daher haben wir eine dringende Bitte an die heimische Presse gerichtet. Unsere Freunde bei der Gelnhäuser Neuen Zeitung und im Druck- und Pressehaus Naumann haben uns zugesichert, dieser Bitte nachzukommen. Nachfolgend nun unsere Pressemitteilung für Sie zum Nachlesen im Wortlaut:

Corona und Hunger

» Kenia ist mit gleich zwei Pandemien konfrontiert. Die Menschen im Projektgebiet von „Wir helfen in Afrika“ hungern! In kleinen Schritten hat der Gelnhäuser Verein „Wir helfen in Afrika“ in den vergangenen Jahren die Lebensgrundlage der Menschen im Projektgebiet in und um Mamba Village in Kenia verbessert. Kinder gehen zur Schule, die Menschen haben Zugang zu Trinkwasser, es gibt Perspektiven durch Ausbildung, die Gesundheitsversorgung ist vergleichsweise gut. Doch alle Errungenschaften werden derzeit zweifach bedroht: Corona verursacht Hunger, der durch aktuelle, sintflutartige Regenfälle verstärkt wird. Dieser lebensbedrohlichen Situation will sich der Verein stellen. Der Verein fokussiert seine Arbeit daher derzeit auf Überlebenshilfe. Die Schulen sind auf Geheiß des Staates geschlossen, geplante Erweiterungen und Sanierungen verschoben. „In den vergangenen Wochen haben wir schon deutlich über 20 Tonnen an Lebensmitteln unter der Bevölkerung verteilt“, sagt Helmut Günther, der Vorsitzende des Vereins. „Am nächsten Wochenende sollen noch einmal mindestens 13 Tonnen dazukommen.“ Dafür aber braucht „Wir helfen in Afrika“ jede mögliche Hilfe. „Wir stecken unsere Spenden zu 100 Prozent in unsere Projekte, große Rücklagen gibt es nicht, das Geld fließt eins zu eins nach Kenia“, so Günther. Darum ruft er gemeinsam mit dem Vorstand dazu auf, mitzuhelfen, möglichst viele Menschen vor dem Hungertod zu bewahren. Vereinsmitglied Peter Musomba, der in Kenia die aktuelle Situation beobachtet, hat einen erschütternden Bericht gesendet von einer Frau aus der Nähe von Mombasa. Sie habe abends Steine gekocht, um ihren Kindern vorzugaukeln, es gebe etwas zu Essen. Sie schliefen hungrig ein. Am nächsten Morgen flog der Schwindel auf, was die Mutter und die Kinder noch unglücklicher machte – und den Hunger nicht beseitigte. „Auch bei uns in Mamba Village gibt es ähnliche Vorfälle“ so Musomba. So habe eine junge Frau für ihre jüngeren Geschwister starken Tee gekocht, um zumindest die Bäuche etwas zu füllen. „Die kleinen Vorratsecken sind leer, es gibt schlicht nichts mehr zu essen.“ Viele Kinder bekamen vor Corona in den Schulen ein kostenloses Mittagessen. Das war ihre Hauptmahlzeit. Das Wenige vom eigenen Stück Land reichte dann für die Eltern und Geschwister. Doch diese Rechnung geht jetzt nicht mehr auf. „Es zerreißt uns das Herz“, so Günther. „Wir müssen daher jetzt auf akute Nothilfe umstellen.“ Ein großes Lebensmittelpaket für eine Familie kostet 40 Euro und wiegt 26 Kilogramm. Es beinhaltet vier Kilogramm Weizenmehl, sechs Kilogramm Maismehl, einen Liter Speiseöl, drei Kilo Reis, einen Liter Milch, Tee, vier Kilo Bohnen, zwei Kilo Zucker, Seife, ein Kilo Salz, Streichhölzer, zwei Laib Brot, Zahncreme und Margarine. „Es ist kein Luxus. Es ist das Mindeste, was wir tun können. Jeder Euro zählt jetzt.“«